Burgruine Thaur

Heute leuchten nur mehr die sorgsam restaurierten Mauern der Ruine in der Herbstsonne. Doch in früheren Zeiten da thronte die Burg Thaur oben am kahlgerodeten Schlossbichl als mächtiger Bau über dem gleichnamigen Dorf, dessen Häuser sich im Schatten der Herrschaft duckten.

Über die Anfänge der Burg herrscht noch keine Gewissheit. War sie eine Gründung des Bischofs von Trient, des hier so einflussreichen Hochstiftes Augsburg oder waren es die Andechser, die Mitte des 12. Jahrhunderts mit den Grafschaftsrechten im Inntal betraut wurden. Urkundlich erstmals erfasst wird die Thaurer Burg im Jahre 1232 im Zuge einer Salzschenkung des Grafen Albert III. von Tirol an das Spital am Ritten bei Bozen.

Die Burg war zugleich Sitz des Thaurer Landgerichtes, das sich nördlich des Inn vom Mühlauer Graben bis hinunter nach Terfens erstreckte. Hier saßen mit dem Burggrafen, dem Pfleger und dem Landrichter die wenigen, aber umso mächtigeren Verwaltungsbeamten des Gerichtsbezirkes.

Als zuerst um 1400 der Richter ins umtriebigere Hall und zuletzt auch der Pfleger hinunter ins Dorf zog wurde es ungemütlich in den zugigen Mauern. Das Erdbeben von 1670, die gewaltige Staublawine im Jahre 1817 und der kontinuierliche Steinraub für andere bauliche Zwecke beschleunigten den gänzlichen Verfall. Von der einst mächtigsten Burganlage des mittleren Inntales blieben gerade ein paar idyllische Mauern.