Archäologisches aus Thaur

Die sonnige Lage, fruchtbare Felder, reichlich Wild und Fische sowie rasche Rückzugsmöglichkeiten ins Gebirge machten Thaur schon in der Frühzeit  zu einem der attraktivsten Siedlungsstandorte in Tirol. Die älteste Siedlung befand sich auf der exponierten Hügelkuppe des Kiechlbergs. Es waren Menschen der Jungsteinzeit (ab 4200 v. Chr.), die hier zuerst als Jäger und Sammler, später auch als Viehzüchter und Ackerbauern lebten. Ein Gräberfeld mit Brandbestattungen aus der „Ötzizeit“ (um 3500 v. Chr.) wurde in Kapons freigelegt. Gleich an mehreren Standorten finden sich Spuren bronzezeitlicher Siedler.

Als die Temperaturen kühler wurden wanderten die Menschen herunter in den Bereich des heutigen Dorfes. Beim Abtragen einer Geländekuppe in der äußersten Vigilgasse entdeckte man Urnengräber (um 1300 v. Chr.) mit den entsprechenden Beigaben.  Im Zuge der Grundzusammenlegung wurden unten im Bereich der Lehmgrube reichlich Zeugnisse einer eisenzeitlichen Fischersiedlung (?) freigegraben.  Ebenfalls in der Vigilgasse wurde kürzlich Teile eines großen frühmittelalterlichen Friedhofs (5. – 7. Jh.) entdeckt.

Auf beträchtliches internationales Interesse stoßen die aktuellen Grabungen auf der Südwestseite des Kiechlbergs. Hier wurden Mauerreste einer großen, vermutlich ottonischen Burganlage (10. Jh.) befundet. Es dürfte sich hier überhaupt um die erste Burganlage im gesamttiroler Raum handeln. Gegen Ende des 12. Jh. entstand schließlich die Burg auf dem Schlossbichl. Auch hier wurden beim Freilegen und Sichern der idyllischen Ruinenreste eine beträchtliche Vielfalt an archäologischen Funden geborgen.

Allein das vergangene Jahrzehnt hat uns gezeigt, dass der Thaurer Boden keineswegs nur für Gemüsebauern, sondern auch für Archäologen erstaunlich fruchtbar ist. Mag sein, dass die schriftlichen Quellen allmählich versiegen, aber in der Erde lassen sich gewiss noch viele Zeugnisse aus der Vergangenheit entdecken.